Helmut-Rhode-Förderpreis 2026
05.11.2026
Elf Jahre Helmut-Rhode-Förderpreis: Denken mit dem Stift
Was vor elf Jahren als Hommage an die Leidenschaft unseres Bürogründers Helmut Rhode für die Handzeichnung begann, hat sich längst als feste Größe in der Architekturausbildung etabliert. Die diesjährige Ausgabe des Helmut-Rhode-Förderpreises zeigt einmal mehr, dass das Zeichnen als Instrument des Beobachtens, Denkens und Entwerfens nichts von seiner Bedeutung verloren hat.
Mit rund 40 Einreichungen verzeichnete der Wettbewerb 2026 eine besonders erfreuliche Resonanz. Studierende und Absolvent:innen aus ganz Deutschland sowie aus der Schweiz, Österreich und Schweden reichten Arbeiten ein, die die beeindruckende Vielfalt zeitgenössischer Architekturzeichnung widerspiegeln. Die Bandbreite reichte von analytischen Skizzenbüchern über dokumentierte Entwurfsprozesse bis hin zu ausdrucksstarken Präsentationszeichnungen.
Die diesjährige Jurierung machte deutlich, wie unterschiedlich das Medium Zeichnung eingesetzt werden kann. Allen Arbeiten gemeinsam war die Überzeugung, dass das Zeichnen weit mehr ist als die Darstellung eines Ergebnisses: Es ist ein Werkzeug der Erkenntnis, der Analyse und der Entwurfsentwicklung. Ganz im Sinne Helmut Rhodes werden Ideen auf dem Papier entwickelt, überprüft, verworfen und weitergedacht.
Die Entscheidung der Jury fiel angesichts der hohen Qualität der Einreichungen nicht leicht. In den Kategorien „Skizzenbuch Entwurfsprozess“ und „Skizzenbuch Präsentationszeichnung“ wurden jeweils ein 1. Preis sowie eine Anerkennung vergeben. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen exemplarisch, wie vielfältig das händische Zeichnen heute als Mittel des architektonischen Denkens, Forschens und Entwerfens eingesetzt wird.
Die ausgezeichneten Arbeiten, ihre Urheber:innen und die Jurybewertung stellen wir im Folgenden vor.
Hier wurde jede Arbeit einzeln und individuell diskutiert und bewertet.
Die Jurymitglieder (von links) 2026: Daniel Spievak, Christian Hein, Jasmin Wirtz und Lars Klatte.
In unseren Räumen fand am 29. Oktober 2026
die Jurierung der Arbeiten statt.
Kategorie Skizzenbuch Präsentationszeichnung
1. Preis
Die Arbeiten des Preisträgers Tim Altmann von der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.
Das Skizzenbuch dokumentiert den Entwurfsprozess zur Erweiterung des Industriemuseums Brandenburg an der Havel und gibt einen eindrucksvollen Einblick in die frühe Phase des architektonischen Entwerfens. Im Mittelpunkt steht die Suche nach einer angemessenen Kubatur für den Erweiterungsbau, der einen repräsentativen Eingang schaffen und sich zugleich sensibel in das industrielle Erbe des ehemaligen Stahlwerks einfügen sollte.
Anhand zahlreicher Skizzen werden unterschiedliche Ansätze zu Proportion, Erschließung und städtebaulicher Einbindung untersucht und weiterentwickelt. Die Zeichnungen machen den kreativen Prozess des Suchens, Verwerfens und Präzisierens sichtbar und zeigen das Skizzenbuch als zentrales Denk- und Arbeitsinstrument. Ergänzt werden die Studien zur Baukörperentwicklung durch Untersuchungen zu Fassade und Konstruktion sowie atmosphärische Innenraumperspektiven.
Mit seiner sorgfältigen und zugleich lebendigen Dokumentation des Entwurfsprozesses verdeutlicht Tim Altmann die besondere Bedeutung des Skizzierens für die Entwicklung architektonischer Ideen. Das Skizzenbuch macht die gedanklichen Schritte hinter dem Entwurf nachvollziehbar und zeigt eindrucksvoll die Kraft der Handzeichnung als Medium des architektonischen Denkens. Für diese überzeugende Arbeit erhält Tim Altmann den Helmut-Rhode-Förderpreis 2026 in der Kategorie „Skizzenbuch Präsentationszeichnung“.
Bewertung von Jasmin Wirtz
Kategorie Skizzenbuch Präsentationszeichnung
Anerkennung
Die Arbeiten der Preisträger:innen Sarah Wanke und Tobias Becker von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau.
Die eingereichte Präsentationszeichnung macht den Entwurfsprozess einer Masterarbeit auf außergewöhnliche Weise sichtbar. Ausgangspunkt ist ein umfangreiches Sammelwerk aus Skizzenrollen, Zeichnungen und Notizen, das den gemeinsamen, analogen Entwurfsdialog der Verfasser:innen dokumentiert. Aus flüchtigen Gedanken, Überlagerungen und fortlaufenden Untersuchungen entwickelt sich Schritt für Schritt ein präziser architektonischer Entwurf.
Die zusammengefügten Skizzenrollen bilden den Hintergrund der Präsentation und veranschaulichen die Vielzahl an Ideen und Suchbewegungen, die den Entwurfsprozess geprägt haben. Im Mittelpunkt steht die Transformation einer leerstehenden Schuhfabrik. Durch präzisen Rückbau werden vorhandene räumliche Qualitäten freigelegt, untersucht und zu neuen architektonischen Zusammenhängen weiterentwickelt. Die Verbindung von Prozessdarstellung und Entwurfsergebnis verleiht der Arbeit eine besondere Tiefe und Ausdruckskraft.
Mit ihrer eindrucksvollen Präsentationszeichnung gelingt es Sarah Wanke und Tobias Becker, den kreativen Entwurfsprozess ebenso anschaulich wie das architektonische Ergebnis darzustellen. Die Arbeit überzeugt durch ihre konzeptionelle Klarheit, die hohe gestalterische Qualität und den sensiblen Umgang mit dem Bestand. Für diese überzeugende Leistung erhalten Sarah Wanke und Tobias Becker eine Anerkennung in der Kategorie „Skizzenbuch Präsentationszeichnung“.
Bewertung von Lars Klatte
Skizzenbuch Entwurfsprozess
1. Preis
Die Arbeit der Preisträgerin Annabelle Merz von der Technischen Universität München.
Das Skizzenbuch dokumentiert die intensive Auseinandersetzung mit der historischen Stadtstruktur Pisas und der Typologie der Casa Torre. Im Mittelpunkt steht die Beobachtung der Fassade als gewachsene Zeitschicht, in der zugemauerte Öffnungen, eingesetzte Fenster, Bögen, Fensterläden und Balkone von einem kontinuierlichen Prozess des Weiterbauens erzählen.
Aus dieser Analyse entwickelt Annabelle Merz die Frage, wie sich diese Geschichte architektonisch fortschreiben lässt. Der Entwurf versteht sich nicht als Rekonstruktion oder Nachahmung, sondern als zeitgenössische Ergänzung. Ein freistehendes Vordach wird präzise in die bestehende Fassadenschicht eingefügt und setzt die Entwicklung des Gebäudes als neue, klar ablesbare Ebene fort.
Besonders überzeugend ist die zeichnerische Nachvollziehbarkeit, mit der Beobachtung, Analyse und Entwurf miteinander verknüpft werden. Die Skizzen machen den Weg von der Untersuchung des Bestands bis zur architektonischen Idee sichtbar und zeigen die Handzeichnung als zentrales Instrument des Entwerfens. Der geschaffene überdachte Außenraum für Aufenthalt und Begegnung verdeutlicht dabei die sensible Verbindung von historischem Bestand und zeitgenössischem Eingriff.
Mit ihrer sorgfältigen und reflektierten Dokumentation des Entwurfsprozesses zeigt Annabelle Merz eindrucksvoll, wie sich aus einer präzisen architektonischen Analyse neue räumliche Qualitäten entwickeln lassen. Für diese herausragende Arbeit erhält Annabelle Merz den 1. Preis des Helmut-Rhode-Förderpreises 2026 in der Kategorie „Skizzenbuch Entwurfsprozess“.
Bewertung von Christian Hein
Kategorie Skizzenbuch Entwurfsprozess
Anerkennung
Die Arbeit der Preisträgerin Amelie Bay von der Technischen Universität Wien.
Die eingereichten Zeichnungen entstanden im Rahmen des Entwurfsworkshops „Übergänge 2026“ in Rovinj und dokumentieren auf eindrucksvolle Weise den analogen Entwurfsprozess von der ersten Ortsbegehung bis zur Entwicklung eines architektonischen Konzepts. Ausgehend von einem Bauplatz in der historischen Altstadt setzt sich die Arbeit intensiv mit der gewachsenen Struktur und der charakteristischen Dachlandschaft Rovinjs auseinander.
Aus der Analyse des Ortes entwickelte sich die Idee eines Kindergartens, dessen modulare Baukörper unterschiedliche Räume für die Kindergruppen sowie private und gemeinschaftliche Höfe schaffen. Die Architektur greift die Maßstäblichkeit und Atmosphäre der Umgebung auf und verbindet diese mit einem zeitgemäßen Nutzungskonzept. Eine bestehende Halle wird dabei als offener Versammlungs- und Begegnungsort in das neue Ensemble integriert.
Besonders überzeugend ist die Qualität der Präsentationszeichnung, die Recherche, Beobachtung und Entwurf in einer klaren und zugleich lebendigen Darstellung zusammenführt. Die Zeichnungen vermitteln nicht nur die Entwicklung der architektonischen Idee, sondern auch die intensive Auseinandersetzung mit dem Ort und seinen räumlichen Qualitäten.
Mit ihrer sorgfältigen zeichnerischen Darstellung und der überzeugenden Verbindung von Analyse und Entwurf zeigt Amelie Bay eindrucksvoll die Möglichkeiten der Handzeichnung als Medium architektonischer Kommunikation. Für diese bemerkenswerte Arbeit erhält Amelie Bay eine Anerkennung in der Kategorie „Skizzenbuch Präsentationszeichnung“.
Bewertung von Daniel Spievak
Fotos Jurysitzung und Arbeiten RKW Architektur +